Samstag, 19. August 2017
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Das Schild am Ende der Welt: Der Lands End Signpost

Das Schild am Ende der Welt: Der Lands End Signpost

Besuch bei Fotograf Barry Chapple

Zugegeben: Es ist nicht das Ende der Welt – Aber ein wenig drängt sich dieser Gedanke schon auf, wenn von „Lands End“ die Rede ist. Dieser bei Penzance in Cornwall gelegene Ort markiert den westlichsten Punkt der britischen Hauptinsel.

Obwohl dieser Umstand eigentlich nichts so sehr Besonderes darstellt, zumal es mit den etwas südwestlich gelegenen Scilly-Inseln auch noch den westlichsten Punkt Englands (man beachte den feinen Unterschied: Großbritannien/England!) gibt, so hat es diese Landmarke doch zu einem recht großen Bekanntheitsgrad gebracht.

Dies ist nicht zuletzt auch dem populären Lands End Signpost zu verdanken. Das Schild existiert in dieser Form seit dem Jahr 1957 und seither stolpert man immer mal wieder über  Fotos, die vor diesem bekannten Motiv entstanden sind.
Zuletzt ist Lands End in Zusammenhang mit den Olympischen Spielen 2012 in London in der Presse erwähnt worden: Die olympische Fackel ist dort mit einem Helikopter auf dem britischen Festland angekommen, um von dort ihren verbleibenden Weg bis nach London anzutreten.

Wir haben Lands End heute einen Besuch abgestattet und uns bei dieser Gelegenheit mit Barry Chapple, der seit rund 13 Jahren der Fotograf am Signpost ist, unterhalten. Das entsprechende Erinnerungsfoto haben wir uns natürlich auch nicht entgehen lassen.

Barry ist ein sympathischer Mann Anfang Fünfzig. Als wir ihn ansprechen und darum bitten, für einen Artikel auf unserer Webseite ein paar Informationen über seine Person und seinen Beruf zu bekommen, zögert er nicht lange und fängt direkt an zu erzählen: Stolz berichtet er uns, wie seine Familie im Jahr 1957 damit begonnen hat, an diesem Ort und mit dem Signpost im Hintergrund Fotos für Touristen zu erstellen. Seit diesen Ursprüngen ist das Geschäft bis zum heutigen Tag in Familienbesitz geblieben. Barry selbst hat im Jahr 2000 den Posten als Fotograf an der bekannten Landmarke übernommen. Den überwiegenden Teil seiner Kundschaft stellen Landsleute aus dem nahe gelegenen Bristol und Cardiff dar, Wochenend- oder Kurzurlauber, die schnell mal zum Abschalten an die Küsten Cornwalls aufbrechen. Unter den ausländischen Kunden sind Australier zahlenmäßig stark vertreten, aber auch Japaner haben einen großen Anteil am Besucheraufkommen.

Bei unserem Besuch, an einem regulären Wochentag Anfang Mai, ist es noch ruhig am Lands End. An einem sonnigen Wochenende und zur Hauptsaison im Hochsommer stellt sich die Situation allerdings gänzlich anders dar. Dann ist Barry im Dauereinsatz und von Ruhe und Erholung am westlichsten Punkt der Insel kann keine Rede mehr sein.

Entscheidet man sich für ein persönliches Erinnerungsfoto vor dem Signpost, so besteht die erste Aufgabe in der Ermittlung der Entfernung zum Zielort. Barry hat für diesen Zweck eine große Tafel am Eingang seiner Hütte aufgehängt, die eine Vielzahl von Ländern und Städten auflistet.

„Cologne“ können wir als naheliegenden Treffer für unsere Heimatstadt Attendorn ausmachen. Bis Cologne sind es laut Barry´s Tabelle 610 Meilen Luftlinie. Wir beraten uns kurz mit Berry, um anhand dieser Vorgabe die passende Distanz von Lands End bis nach Attendorn „auszuhandeln“. Wir einigen uns schließlich auf 660 Meilen…
Ich habe die Entfernung aus reiner Neugier nochmals im Internet recherchiert: Wir lagen etwas daneben. Rund 600 Meilen Luftlinie sind es und knapp über 700 Meilen beträgt die Entfernung als reguläre Straßenroute. Wir bitten daher um Nachsicht, für unser geografisches Unwissen!

Der Ort John o´Groats in Schottland stellt den nördlichsten Punkt auf der britischen Hauptinsel dar und ist daher ebenfalls auf dem Schild vertreten. Im britischen Sprachgebrauch wird die Redewendung „Land´s End to John o´Groats“ oft für Rennen und Wohltätigkeitsläufe verwendet, da sie die größtmögliche Entfernung (838 Meilen/1349 km) auf dem britischen Festland darstellt. Die Isles of Scilly stellen, wie schon eingangs erwähnt, den westlichsten Punkt von ganz Großbritannien dar.

Nachdem wir Barry den Namen unserer Heimatstadt genannt haben, beginnt er in Windeseile die entsprechenden Buchstaben zusammen zu suchen, um diese anschließend mit noch viel größerer Geschwindigkeit  und in der richtigen Reihenfolge in die Halterung am Signpost zu schieben. Respekt – Da merkt man die langjährige Übung!

Das eigentliche Foto ist schnell geschossen. Ein Foto mit Barry´s Kamera und zwei weitere gemäß unserem Wunsch mit unserer eigenen, digitalen Kamera. Ich erwähne das Wort „digital“ bewusst, denn Barry fotografiert noch täglich mit einer analogen Spiegelreflexkamera – Beeindruckend!

Abschließend dürfen wir unsere Adresse in einer Liste eintragen, die in Barry´s Büro ausliegt. Das Erinnerungsfoto wird uns in den nächsten zwei Wochen als Abzug nach Hause geschickt! Sehr originelle Idee finden wir, dass Barry dies in der heutigen, schnelllebigen und digitalen Welt so handhabt. Barry berechnet für dieses Souvenir knappe zehn Pfund. Für einen kleinen Aufpreis sind gleich mehrere Fotos oder Bilder in einem größeren Format erhältlich. Für uns ein fairer Preis, wenn man den zusätzlichen Aufwand für den Postversand betrachtet und auch bedenkt, dass die Fotografie am Signpost ein wetter- und saisonabhängiges Geschäft ist und das Einkommen der Sommermonate über das ganze Jahr hindurch ausreichen muss.

Wir unterhalten uns nach dem Fotoshooting noch eine Weile mit Barry. Er erzählt uns ein paar Geschichten und Anekdoten, die er und seine Familie in den letzten Jahrzehnten erlebt haben. Ein besonderes Highlight war der Besuch von Liz Taylor am Lands End im Jahr 1969. Ein Foto an Barry´s Bürohäuschen erinnert an dieses und viele weitere wichtige Ereignisse.

Wir fragen Barry nach dem Besucher mit der größten Entfernung, der bisher den Signpost besucht hat. Er erklärt uns, dass dies Gäste aus Amerikanisch-Samoa waren. Dies ist eine zum US-amerikanischen Außengebiet gehörende Inselgruppe im südlichen Pazifik, die auch rein rechnerisch mit einer Distanz von rund 14.000 Meilen die maximal mögliche Entfernung zum Lands End darstellt.

Bevor wir uns dankbar von Barry verabschieden, schießen wir noch ein paar Fotos rund um den Signpost. Thank´s a lot, Barry! Nice story and pictures. All the best for you!

Fotostrecke Lands End

 

Die übrigen Attraktionen am Lands End haben wir nicht besucht. Der Bereich am Land´s End befindet sich seit 1987 in Privatbesitz und man hat dort über die Jahre einen sehr kommerziell wirkenden Themenpark errichtet. Weitere Informationen findet ihr unter dem Link in der Infobox.

Informationen zu Lands End

Webseite: www.landsend-landmark.co.uk

Eintritt: frei – Parkplatz ist aber gebührenpflichtig (Tagespauschale 5 GBP). Für die einzelnen Attraktionen wird jeweils gesondert ein unterschiedliches Eintrittsgeld fällig. Aktuelle Informationen findet Ihr auf der Webseite.

Über Dirk Schnellboegl

Dirk Schnellboegl

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