Dienstag, 24. Oktober 2017
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Beginn unserer Europareise – Vom Sauerland nach Großbritannien

Beginn unserer Europareise – Vom Sauerland nach Großbritannien

Mit der Fähre über den Kanal und dann Links...

Es wird allerhöchste Zeit für allerletzte Vorbereitungen…

Lange haben wir ihn herbei ersehnt, lange haben wir ihn aber auch nicht als real wahrgenommen und dann ist er plötzlich da – der Tag der Abreise.

Die Fähre war seit Januar fest und unwiderruflich für den 18. April gebucht – Umbuchung ausgeschlossen, da wir uns für einen günstigen Economy Tarif entschieden hatten.

Während uns die Monate bis zum Tag der Abreise wie eine endlos lange Zeit vorkamen, verfliegen die letzten Tage vor der Abreise wie im Flug – Nein, eher wie in einem Überschallflug…

Die Erstellung und das Abarbeiten von ToDo-Listen sind über die Monate zu einem unserer zeitaufwändigsten Hobbies geworden. Immer wenn wir denken, dass wir jetzt mit Sicherheit  an Alles gedacht haben, fallen uns noch weitere Sachen ein. Oftmals Kleinigkeiten, aber sofern man diese nicht sofort notiert, so sind sie wenige Minuten später schon wieder vergessen.

Durch die inzwischen stattliche ToDo-Liste und nicht zuletzt durch den langen Winter sind unsere Vorbereitungen kurz vor Beginn der Reise doch arg in zeitlichen Rückstand geraten. Unerwartete technische Probleme bei den Umbauten am Wohnwagen tragen ebenfalls nicht zur Entspannung der Situation bei – es wird vor der Abreise noch einmal richtig eng!

Ursprünglich wollten wir bereits am 16. April gemütlich die Fahrt zum Fährhafen nach Dover antreten. In der Woche vor diesem Datum ernennen wir den 16. April kurzerhand zu dem von uns – natürlich schon lange zuvor – auserkorenen „Notfall-Reservetag“…

Den Notfall-Reservetag nehmen wir voll und ganz in Anspruch und am 17. April gegen Mittag wird es dann allerhöchste Zeit endlich aufzubrechen. Es geht schnell noch beim örtlichen Raiffeisenmarkt auf die Waage – alles im grünen Bereich, es kann losgehen!

Abfahrt im heimischen Attendorn/Sauerland

Das mulmige Gefühl vor einer Reise, dass man vielleicht doch etwas Wichtiges zuhause vergessen hat, kennen die meisten wohl aus eigener Erfahrung. Wir konnten dieses Gefühl für die ersten 12 Kilometer erfolgreich verdrängen. Sandra war die erste, die den gefürchteten Satz aussprach: „Ich glaube, ich habe etwas vergessen“. Es folgt eine kurze Diskussion – „Nicht wichtig!“ lautet das einstimmige Urteil. Weiter fahren!

Während wir auf der Autobahn nach wenigen Kilometern bereits das erste Mal im Stau stehen, fallen uns bereits die nächsten Dinge ein, die sich eigentlich an Bord, statt zuhause im Schrank oder in der Garage befinden sollten. Umkehren ist nicht mehr – in der Fliegerei sagt man, der „Point of no Return“ ist bereits überschritten. Wir können die Lage nun nicht mehr ändern und lassen uns die verschiedenen mehr oder weniger wichtigen Dinge einfach bei nächstbester Gelegenheit nachsenden.

Die weitere Fahrt über Aachen, Belgien und weiter Richtung Calais verläuft ohne Zwischenfälle und größere Staus. Wir haben für die Nacht einen Campingplatz rund zehn Kilometer vor Calais nahe der Autobahn gebucht, so dass wir am nächsten Morgen nur noch eine kurze Strecke zu fahren haben.

Durch die Verspätete Abreise gegen Mittag und den langen Stau vor Köln haben wir inzwischen aber Bedenken, dass wir bei unserer geschätzten Ankunft nach 21 Uhr dort noch jemand antreffen, oder ob wir überhaupt noch dort auf den Platz fahren können. Wir entscheiden, die Situation lieber im Voraus mit einem kurzen Anruf zu klären.

Zwischenübernachtung nahe Calais/Frankreich

Man sollte meinen, dass der gemeine Franzose, sofern er sich auf die Beherbergung von Campinggästen für die Fährüberfahrten von und nach Großbritannien spezialisiert hat, zumindest ein paar Brocken Englisch verstehen und sprechen kann.  Dies ist zu unserem Leidwesen offenbar nicht der Fall. Wir müssen dem Herrn am Telefon allerdings positiv anrechnen, dass sein Problem überzeugend in der Unkenntnis der Sprache lag und nicht in der viel häufiger anzutreffenden Unwilligkeit, diese Sprache zu gebrauchen.

Ein zweiter Anruf zu späterer Zeit und mit einem anderen Gesprächspartner am anderen Ende der Leitung ergibt endlich die gewünschte Auskunft: Eine Anreise ist auch spät möglich, wir möchten uns bitte einfach im Bistro melden – das Tor zum Platz steht immer offen.

Gegen kurz nach 21 Uhr treffen wir auf dem Campingplatz ein und dürfen uns einen freien Stellplatz aussuchen. Wir bezahlen schnell noch die recht happige Übernachtungsgebühr und fallen nach einem kühlen Tagesabschluss-Bier früh und erschöpft ins Bett.

Fährüberfahrt Ärmelkanal

Am nächsten Morgen stehen wir bereits früh auf. Die Fähre geht um 10:45 Uhr. Sind Haustiere mit im Fahrzeug, so beginnt der Check-In eine Stunde früher, da zunächst noch die Gültigkeit der Heimtierausweise kontrolliert werden muss. Wir sind bereits gegen neun Uhr am Fährhafen, möchten nicht riskieren, dass wir durch irgendwelche Verzögerungen doch noch die Abfahrt der Fähre verpassen.

Die Abfertigung und Verkehrsführung im Fährhafen ist entgegen aller unserer Erwartungen völlig problemlos und unkompliziert. Wir folgen einfach der P&O Ferries Beschilderung und landen an einem der vielen Abfertigungsschalter. Dort werden unsere Buchungsbestätigung und die Heimtierpässe der Hunde kontrolliert. Anschließend wird uns ein Gerät angereicht, mit dem wir die Mikrochips der beiden Hunde auslesen müssen. Nachdem auch dieser Teil der Kontrolle keinen Grund zur Beanstandung ergeben hat, bekommen wir einen großen Aufkleber für die Innenseite der Frontscheibe und einen Anhänger für den Innenspiegel, der auf unsere Haustiere im Fahrzeug hinweist.

Wir bekommen nun eine Gate Nummer zugeteilt, ähnlich einem Flugsteig auf einem Flughafen. Zu unserer Überraschung steht auf den uns ausgehändigten Papieren nun eine Abfahrtszeit von 09:50 Uhr. Man hat uns also ohne weitere Nachfrage kurzerhand auf die nächste Fähre gebucht, da dort offensichtlich noch Plätze frei sind. Soll uns recht sein – so haben wir keine weitere Wartezeit.

Wenige Meter später müssen wir an einem zweiten Schalter erneut anhalten. War die erste Kontrolle seitens der Fährgesellschaft, so werden diesmal alle Unterlagen vom Zoll erneut kontrolliert.

Nach dieser Kontrolle dürfen wir weiter zu unserem Gate fahren. Die Fähre liegt bereits im Hafen und jedes einzelne Gate entspricht einer der ungefähr vier bis sechs Warteschlangen, die parallel in den Bauch der Fähre führen. Die Wartezeit vor der Fähre beträgt weniger als zehn Minuten und schneller als wir vermutet haben, sind wir bereits an Bord. Der ganze Beladungsvorgang wird vom Fährpersonal sehr zügig und professionell abgewickelt.

Wir werden mit unserem Gespann eingewiesen und auch dieser Teil verläuft entgegen unserer schlimmsten Befürchtungen völlig problemlos, es sind keinerlei Rangiermanöver notwendig. Die Hunde dürfen zwar nicht mit an Bord, können die nur 90 Minuten dauernde Überfahrt aber in ihrer vertrauten Umgebung im Wohnwagen verbringen.

Also werden die Hunde schnell umgeladen, die Handbremse am Wohnwagen festgezogen und die Gasflaschen zugedreht. Dann geht es über ein Treppenhaus vom Fahrzeugdeck zu den oberen Decks der Fähre mit Shops und Restaurants, sowie auf das Außendeck ganz oben.

Die Überfahrt verläuft unspektakulär. Es ist sonnig, aber etwas stürmisch und dies resultiert in entsprechendem Seegang. Nichts Wildes – wird können nicht nur die bisher aufgenommene Nahrung bei uns behalten, sondern entschließen uns auf eine Tasse Kaffee und ein leckeres Toast in das Bordbistro zu setzen.

Nach dieser kleinen Stärkung drehen wir eine Runde über die schwimmende „Einkaufsmeile“ und erwerben dort auch einen Satz Aufkleber zum Abkleben unserer Scheinwerfer für den Linksverkehr. Diese sind auf der Fähre selber tatsächlich ein gutes Stück preiswerter erhältlich, als bei verschiedenen Onlineshops und Automobilclubs. Wir haben rund sieben Pfund für einen Satz gezahlt.

Den Rest der Überfahrt verbringen wir auf dem Außendeck und schon bald bekommen wir die berühmten weißen Klippen von Dover zu Sehen. Das Wetter hat sich etwas verschlechtert, es ist diesig und die Sicht nicht mehr besonders gut. Es herrscht allgemeine Aufbruchsstimmung und es ist an der Zeit, dass wir uns langsam wieder Richtung Fahrzeugdeck bewegen.

Ankunft auf der Insel und erste ernsthafte Probleme

Nachdem die Fähre sicher im Hafen von Dover angelegt hat werden die Fahrzeuge der Reihe nach von der Fähre gelotst. Zu diesem Zeitpunkt stellt der nun herrschende Linksverkehr keinerlei Problem dar. Wir folgen einfach dem allgemeinen Verkehrsfluss aus dem Fährterminal heraus.

Wir nähern uns einer Unterführung und ahnen zu diesem Zeitpunkt noch nicht, dass schon in Kürze, nach nur wenigen hundert Metern auf englischem Boden, das stets befürchtete „Worst case scenario“ eintreten wird…

Der Verkehr wird zweispurig durch die Unterführung geleitet. Mitten in der Unterführung kommen wir an eine Straßengabelung, an der eine Art Kontrollpunkt eingerichtet ist. Hier werden vom britischen Zoll offensichtlich bevorzugt Fahrzeuge mit dem Heimtieraufkleber an der Scheibe auf eine abknickende Parallelspur heraus gewunken und dort erneut einer Kontrolle unterzogen.

Zu unserer Ehrenrettung müssen wir ganz objektiv feststellen, dass der Zollbeamte uns erst ein Signal zum Abbiegen gegeben hat, nachdem wir schon fast an der Abzweigung vorbei gefahren sind. Alles Fluchen hilft in dieser Situation nicht weiter –  uns fehlt aus dieser Position heraus der entsprechende Radius, um mit unserem fast 13 Meter  langen Gespann auf die Parallelspur abzubiegen. Wir müssen den quasi halb begonnenen Abbiegevorgang abbrechen und ein paar Meter zurücksetzen.

Unglücklicherweise ist die gesamte Fahrspur sehr schmal und an beiden Seiten durch hohe Bordsteinkanten gesäumt. Auf der linken Seite ist zusätzlich ein hohes Metallgeländer auf der Bordsteinkante montiert und durch die schlechte Beleuchtung in der Unterführung ist in den Außenspiegeln kaum etwas zu erkennen. Wir rangieren mehrfach vor und zurück und blockieren inzwischen die gesamte Hauptfahrspur. Das inzwischen zahlreich vertretene Hafen- und Zollpersonal hat die Situation schnell erkannt und leitet den gesamten Verkehr auf der noch verbleibenden Fahrspur um uns herum. Ein paar Rangiermanöver später und es geht überhaupt nichts mehr… Entweder beschädigen wir uns ernsthaft die Reifen des Wohnwagens an der Bordsteinkante oder wir schwenken mit unserem Heck in das Metallgeländer hinein. Beides keine schönen Optionen.

Das anwesende Personal mit seinen gelben Warnwesten hat sich inzwischen vervielfacht… Alle sehen sehr entspannt aus und keiner der Anwesenden scheint sich das nun unweigerlich stattfindende Schauspiel entgehen lassen zu wollen. Spannende Sache! Nur sind die Hauptdarsteller in diesem Spektakel leider WIR!

Wir kommen erst in dem Moment etwas zur Ruhe, als wir feststellen, dass keinerlei weitere Fahrzeuge durch die Unterführung fahren. Die Fähre ist wohl vollständig entladen und bis zur Ankunft der nächsten Fähre ist der Fahrzeugstrom versiegt.

Wir steigen nun erst einmal in Ruhe aus, begutachten die Situation aus allen möglichen Blickwinkeln heraus und beratschlagen uns ausgiebig mit den anwesenden Personen. Ein britischer Zöllner gibt dann irgendwann den wohl einzig richtigen Ratschlag: „Unhook it!“ – Wohnwagen abhängen! Diese Situation haben wir in unseren schlimmsten Albträumen schon mehrfach bis zu dem Punkt durchgespielt, an dem wir schweißgebadet aufwachen und erleichtert feststellen, dass wir nicht auf einer „Single Track Road“ in den schottischen Highlands festhängen, sondern ganz ohne Wohnwagen im heimischen Bett liegen…

Dass dieser Albtraum nun schon nach wenigen Metern auf britischem Boden zur bitteren Realität wird und wir wach und schweißgebadet sind, hätten wir uns nicht träumen lassen.

Der Wohnwagen wird also vom Zugfahrzeug abgekuppelt. Glücklicherweise ist unser Wohnwagen mit einem sogenannten „Mover“ ausgestattet. Mittels Fernbedienung können wir zwei Antriebsrollen an die Reifen anschwenken und den rund zwei Tonnen schweren Wohnwagen mit der Fernbedienung wie von Geisterhand schrittweise in alle Richtungen manövrieren.

Das ganze Spektakel dauert nur wenige Minuten und nach einigen Manövern mit dem Mover haben wir uns bald aus der misslichen Situation befreit. Die Schar der Zuschauer hat sich inzwischen drastisch reduziert. Offenbar waren hier keine größeren Schäden mehr zu erwarten und der weitere Verlauf des Schauspiels somit nicht weiter von Interesse. Sandra hat während meiner Rangierarbeiten den Papierkram mit dem Zoll erledigt: Alles in bester Ordnung. Ebenso, wie bei mir – der Wohnwagen ist bereits wieder angekuppelt und wir können unsere Fahrt wenig später fortsetzen.

Gemächlich geht´s weiter Richtung Campingplatz

Kaum haben wir den Großraum Dover verlassen und fahren entspannt auf dem relativ leeren Motorway Richtung London, da müssen wir unweigerlich über den Vorfall lachen. Es ist ja nichts Ernsthaftes passiert und es wurde nichts beschädigt. Rückblickend ärgern wir uns jetzt ein wenig, dass wir keine Fotos von diesem Zwischenfall gemacht haben, aber damit hätten wir vermutlich die unendliche Geduld und das Verständnis der beteiligten Personen ein Wenig überreizt.

Der weitere Verlauf unserer Anreise zum vorab gebuchten Campingplatz „Fairlight Woods“ in der Nähe von Hastings verläuft ohne weitere Zwischenfälle. Wir sammeln unsere ersten Erfahrungen auf den schmalen britischen Hauptstraßen und den noch sehr viel schmaleren Nebenstraßen. Dank der vorausschauenden und zuvorkommenden Fahrweise der Briten erreichen wir um kurz nach 13:00 Uhr unser Ziel.

Über Dirk Schnellboegl

Dirk Schnellboegl

4 Kommentare

  1. Guten Abend nach Attendorn,
    ich bin durch Zufall auf Eure Homepage gestoßen, da ich nach etwa 10 Jahren erneut eine Reise nach Wales und Cornwall plane. Die Tunnelschilderungen kann ich sehr gut nachfühlen, die engen Straßen mit einem „fast abkoppeln“ sind echte Tests. Werde nun ab und an Eurer Homepage besuchen.
    Ich wünsche Euch weiterhin spannende Reisen und allseits einen guten Weg…
    Vielen Dank für die spannenden Infos…..

    Herzliche Grüße aus Bayern

    • Dirk Schnellboegl

      Bei uns geht es dieses Jahr auch erneut nach Südengland und Cornwall – diesmal aber mit einem VW Bulli, das macht die Angelegenheit um rund 7,5 Meter kürzer und auch wesentlich entspannter 😉

      Ich wünsche ebenfalls allzeit gute Fahrt und eine schöne Zeit auf der Insel! Der aktuelle Pfundkurs macht UK ja derzeit ähnlich attraktiv, wie es 2013 der Fall war…

      Gruß, aus dem Sauerland, Dirk

  2. Hallo Ihr Beiden,

    ich bin auf Eure Seite gestoßen, weil ich wegen einem Campingclub in Großbritannien informieren wollte. Der Bericht oben ist sehr interessant, da wir mit unserem Wohnmobil wahrscheinlich die gleiche Fähre nehmen wollen. Es wird unsere erste Reise durch Großbritannien sein und wir sind schon sehr gespannt. Es ist schön zu hören, dass alles so entspannt abläuft. Als nächstes werde ich noch den Artikel über England´s Straßen lesen, die uns weiteren Anlass für Bedenken geben. Wir werden aber nach dem Motto fahren: Es wird nichts so heiß gegessen, wie es gekocht wird.
    Wir wünschen Euch noch viele schöne Reisen.

  3. Hallo ihr Beiden,
    ich finde es so was von klasse was ihr macht und verfolge tägl. euer Treiben.

    Vielen Dank dafür, das ich auf diesem Wege dabei sein kann.

    Liebe Grüsse und weiterhin alles Gute

    Peter

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